
50 Jahre Erdbeben in Friaul – Teil 2: Hilfe aus Kärnten und gelebte Solidarität
Villach / Friaul.
Nach dem verheerenden Erdbeben vom 6. Mai 1976 steht die Region Friaul vor einer gewaltigen Herausforderung. Während Rettungskräfte in den Trümmern nach Überlebenden suchen und mit den Aufräumarbeiten beginnen, läuft gleichzeitig internationale Hilfe an. Auch aus Österreich, insbesondere aus Kärnten, trifft rasch Unterstützung ein.
Zeitzeugen berichten, dass bereits kurz nach der Katastrophe umfangreiche Hilfstransporte organisiert wurden. Aus Kärnten werden Fahrzeuge, technische Geräte und dringend benötigte Versorgungsgüter nach Friaul gebracht. Beim Eintreffen vor Ort zeigt sich für viele Helfer erstmals das gesamte Ausmaß der Zerstörung – Bilder, wie man sie zuvor nur aus dem Fernsehen kannte.
Neben zivilen Einsatzkräften ist auch das österreichische Bundesheer rasch im Einsatz. Pioniereinheiten aus Villach sichern beschädigte Verkehrswege, errichten provisorische Brücken und stellen wichtige Verbindungen wieder her. Die Arbeit erfolgt unter schwierigen Bedingungen, da die Region weiterhin von Nachbeben erschüttert wird. Immer wieder kommt es zu gefährlichen Situationen, bei denen Gebäude einstürzen.
Die Unterstützung aus Kärnten wird von der betroffenen Bevölkerung mit großer Dankbarkeit aufgenommen. In der Stadt Gemona erinnern sich viele bis heute daran, dass bereits in den frühen Morgenstunden erste Hilfslieferungen – darunter auch Brot – aus Kärnten eingetroffen sind.
Parallel dazu stellt die Unterbringung der zahlreichen Obdachlosen eine große Herausforderung dar. Tausende Menschen müssen kurzfristig in Notunterkünften versorgt werden. In weiterer Folge werden Fertigteilhäuser in die Region geliefert, um den Betroffenen ein provisorisches, aber sicheres Zuhause zu bieten. An diesen Maßnahmen beteiligen sich zahlreiche Institutionen, auch das Land Kärnten leistet einen wesentlichen Beitrag.
Nur wenige Monate nach dem Hauptbeben verschärft sich die Lage erneut: Weitere schwere Erdstöße treffen Friaul, gleichzeitig setzt ein früher Wintereinbruch ein. Die ohnehin angespannte Situation spitzt sich dadurch weiter zu. Viele Menschen verlassen in dieser Zeit ihre Heimat, zahlreiche Betroffene werden vorübergehend an der oberen Adria untergebracht.
Auch in Kärnten zeigt sich große Hilfsbereitschaft. Viele Familien nehmen spontan Erdbebenopfer bei sich auf und bieten ihnen vorübergehend Unterkunft – ein Zeichen gelebter Nachbarschaft und Solidarität.
Die Ereignisse des Jahres 1976 haben die Region nachhaltig geprägt. Die damalige Hilfeleistung über Grenzen hinweg gilt bis heute als Beispiel für funktionierende Zusammenarbeit im Katastrophenfall. Gleichzeitig bildet sie die Grundlage für eine enge Kooperation zwischen Kärnten und Friaul, die sich unter anderem in gemeinsamen Katastrophenschutzübungen widerspiegelt.
Auch 50 Jahre später bleibt die Erinnerung an das Erdbeben und die große Welle der Hilfsbereitschaft lebendig.
Quelle: kaernten.tv
Fotos (c): Gert Eggenberger
Redaktion: Alfred Santner – creativomedia.gmbh



